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Donnerstag, 06. August 2009

Bei Benutzertests hat die Benutzung von Websites auf mobilen Endgeräten sehr schlecht abgeschnitten, besonders wenn die Benutzer auf „ausgewachsene“ Websites zugriffen, die nicht speziell für eine mobile Nutzung konzipiert waren. Mobile Endgeräte sind eine der grössten Herausforderungen, der sich viele Websites heute stellen müssen. Auch für einige Intranets ist dies besonders wichtig, vor allem in Firmen mit vielen Mitarbeitern, die oft geschäftlich unterwegs sind.

Usability-Forschung
Um herauszufinden, was dazu führt, dass manche Websites besonders leicht oder schwer auf mobilen Endgeräten zu benutzen sind, haben wir drei Usability-Methoden miteinander verknüpft.

  • eine Tagebuchstudie (Diary Study). 14 Teilnehmer aus 6 Ländern (Australien, den Niederlanden, Rumänien, Singapur, Grossbritannien und den USA) haben alles, was sie mit ihrem Mobiltelefon gemacht haben - abgesehen von Telefonanrufen - für eine Woche protokolliert. Für jede Aktivität haben sie uns sofort eine Twitternachricht geschickt, und wir haben ihnen jeden Abend einen Fragebogen geschickt, um detaillierte Informationen einzuholen.
  • Benutzertestreihen. 48 Leute nahmen mit ihren eigenen Mobiltelefonen an unseren Usability-Studien teil. Alle Sitzungen wurden mit einer Kamera aufgenommen. Die Hälfte der Teilnehmer waren Männer, die andere Hälfte Frauen. Die Altersverteilung war in der Spanne der 20-49jährigen recht ausgewogen, nur wenige Benutzer waren 50 Jahre oder älter. Von den 48 Teilnehmern befanden sich 33 in den USA (an zwei unterschiedlichen Orten) und 15 in London.
  • Plattformübergreifende Bewertung. Wir haben das Design von 20 verschiedenen Websites mithilfe von 6 Mobiltelefonen getestet: einem Feature Phone, drei unterschiedlichen Smart Phones und zwei verschiedenen Touch Screen Phones.
    In den Benutzertestreihen baten wir die Teilnehmer, typische Aufgaben mit ihren Mobiltelefonen auszuführen. Um zum Beispiel mobile.winespectator.com testen zu können, haben wir ihnen eine Flasche Wein gezeigt und sie gebeten, auf der Website darüber Informationen zu finden. Für m.lufthansa.com lautete eine der Aufgaben: "Planmässig soll Ihre Freundin heute um 12.00 Uhr von München kommend in London landen. Finden Sie heraus, ob ihr Flugzeug pünktlich ist."

Insgesamt haben wir 36 Websites getestet und die Benutzer gebeten, auf jeder Seite bestimmte Aufgaben zu versuchen. Diese Website-spezifischen Aufgaben haben es uns ermöglicht, systematisch mehrere Benutzer mit unterschiedlichen Telefonen dabei zu beobachten, wie sie alle das gleiche versucht haben. Wir haben auch 34 Aufgaben getestet, die sich auf das gesamte Web bezogen, wo die Teilnehmer also Websites ihrer Wahl nutzen konnten. Eine solche Aufgabe lautete: "Sie und Ihr vegetarischer Freund möchten ein gutes, indisches Restaurant in Ihrer Nähe finden. Nutzen Sie das Web, um ein Restaurant zu finden, das Sie besuchen könnten und das vegetarisches Essen anbietet." Durch diese Aufgaben haben wir Usability-Einblicke in Hunderte weiterer Websites sowie ein Verständnis dafür gewonnen, wie die Leute entscheiden, welche Websites sie auf ihren Mobiltelefonen besuchen.

Die Testaufgaben wurden angeregt durch die Nutzeraktivitäten, die in den Tagebuchstudien aufgezeichnet wurden. Diese Aufzeichnungen haben es uns auch ermöglicht, das Benutzerverhalten über einen längeren Zeitraum und in Situationen zu verfolgen, die lebensnäher sind als das, was man in Laborstudien machen kann.

Das mobile Benutzererlebnis ist grauenvoll
Der Ausdruck "Mobile Usability" ist so ziemlich ein Widerspruch in sich. Es ist weder leicht noch angenehm, das Web auf Mobilgeräten zu benutzen. Das Leiden der Benutzer während unserer Sitzungen erinnerte uns an die allerersten Studien, die wir 1994 mit traditionellen Websites durchgeführt haben. So schlimm war es.

In unseren Mobilstudien lag die durchschnittliche Erfolgsrate bei 59%, was zugegebenermassen höher ist als die Erfolgsraten in den 1990er Jahren, aber wesentlich niedriger als die, grob gemessen, 80%ige Erfolgsrate, die man bekommt, wenn man heute Websites auf einem gewöhnlichen PC testet.

Vor der Studie sind wir davon ausgegangen, dass wir in London vielleicht bessere Ergebnisse erzielen würden, da die Tradition des Mobilfunks in Grossbritannien stärker ist als in den USA. Die Sitzungen haben dies dann jedoch nicht bestätigt: Die britischen Websites waren genauso schlecht wie die amerikanischen, und die Benutzer hatten hier genauso mit der Durchführung ihrer Aufgaben zu kämpfen.


Die Hauptprobleme bei Mobiltelefonen
Die Benutzer der Mobiltelefone werden hauptsächlich mit vier Usabilityhürden konfrontiert:

  • Kleine Bildschirme. Damit etwas mobil ist, muss es leicht zu tragen und somit relativ klein sein. Kleine Bildschirme bedeuten stets weniger sichtbare Optionen, und somit müssen die Benutzer sich auf ihr Kurzzeitgedächtnis verlassen können, um ein Verständnis der visuellen Darstellung des Informationsbereichs aufbauen zu können. Das macht fast alle Interaktionen schwieriger. Es ist auch schwer, Platz zu finden für mehrere Fenster oder andere Interface-Lösungen, die fortgeschrittene Vorgehensweisen wie zum Beispiel vergleichende Produktrecherchen unterstützen.
  • Schwierige Eingabe, vor allem beim Tippen. Es ist schwer, Widgets einer grafischen Benutzeroberfläche ohne eine Maus zu bedienen: Menüs, Schaltflächen, Hypertext-Links und Scrollen, alles dauert länger und ist fehleranfälliger, egal ob sie per Touch-Screen oder mit einer winzigen Steuerkugel bedient werden. Die Texteingabe ist besonders langwierig und gespickt mit Tippfehlern, selbst auf Geräten mit eigens hierfür vorgesehenen Mini-Tastaturen.
  • Warten auf Downloads. Die nächste Bildschirmseite zu kriegen dauert ewig — oft länger als bei einer Wählverbindung, selbst mit vermeintlich schnellerem 3G Service.
  • Falsch konzipierte Websites. Weil Websites meist für die Desktop-Usability optimiert sind, halten sie sich nicht an die Richtlinien, die für einen benutzerfreundlichen Mobilzugriff gelten.

Die ersten beiden Probleme scheinen grundlegend zu sein. Ja, solche Probleme betreffen neuere Telefone weniger als ältere (wie weiter unten ausgeführt wird), aber dennoch: Mobiltelefone werden niemals so grosse Bildschirme oder so gute Eingabemöglichkeiten anbieten wie ein voll entwickelter PC.

Verbindungsprobleme werden in Zukunft hoffentlich abnehmen, aber es wird viele Jahre dauern, bis mobile Verbindungen so schnell sind wie selbst ein einfaches Kabelmodem—geschweige denn so schnell wie die Breitbandanschlüsse, die die verbesserten Leitungsnetze versprechen.

Mobil wird es nie so sein wie am Schreibtisch. Also bleibt uns nur die Hoffnung, dass Websites für bessere Mobil-Usability umgestaltet werden.

Lesen Sie hier den kompletten Artikel:
http://www.usability.ch/Alertbox/20090720.htm